Nachhaltiges Bauen
Zu oft bleibt Nachhaltigkeit ein leeres Schlagwort. Für uns ist sie ein Konzept, dass sich in unserer Arbeit konkret widerspiegelt und unsere tägliche Arbeit bestimmt.
Ob in unseren Bauprojekten, Photovoltaik-Installationen oder Bildungsprogrammen: Wir denken Nachhaltigkeit mit und passen unsere Lösungen an lokale Bedingungen an. Denn nachhaltiges Bauen bedeutet in Ghana durchaus etwas anderes als in Deutschland. Deshalb betrachten wir Nachhaltigkeit aus drei Perspektiven.
Für Nachhaltiges Bauen in Ghana e. V. bedeutet Nachhaltigkeit:
Ökologisch nachhaltig
Wir setzen auf lokale, ressourcenschonende Baumaterialien, die sich bewährt haben – wie Lehm, Laterit1 oder Holz. Gleichzeitig wissen wir, dass Nachhaltigkeit nicht bedeutet, auf moderne Baustoffe zu verzichten. Ein langlebiges Fundament aus Beton2 kann nachhaltiger sein als eine vermeintlich ökologische Lösung, die nach wenigen Jahren erneuert werden muss. Selbst ein sorgfältig ausgewählter Verbundwerkstoff3 kann nachhaltig sein, wenn dadurch der Einsatz anderer nachhaltiger, ökologischer Materialien ermöglicht wird. Entscheidend ist der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes: Von der Materialgewinnung über die Nutzung bis hin zur späteren Wiederverwendbarkeit.
Aber auch nicht jedes natürlich-ökologische Material ist automatisch nachhaltig. Manchmal verstecken sich hinter Baustoffen Probleme, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Holz ist ein gutes Beispiel: Während einige Holzarten aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, führt die übermäßige Abholzung von Regenwald in Ghana zu Umweltzerstörung. Außerdem sind viele Holzarten in Ghana anfällig für Termiten, was ihre Langlebigkeit erheblich einschränkt. Auch Bambus ist zwar ein idealer Baustoff, der jedoch ebenso seine Herausforderungen mit sich bringt. Nachhaltigkeit bedeutet für uns deshalb auch die Wahl des richtigen Materials im Kontext des klimatisch-tropischen Ghanas. Diese Auswahl passiert zudem auch immer mit Blick auf geeignete Bautechnologien und -konzepte.
Ein Beispiel sind konstruktive4 Methoden, die Gebäude widerstandsfähiger und langlebiger machen, ohne unnötig Ressourcen zu verschwenden. Spezielle Dachkonstruktionen, natürliche Belüftungssysteme oder durchdachte Raumaufteilungen können den Energieverbrauch eines Gebäudes drastisch senken. Statt auf kostenintensive Klimaanlagen setzen wir auf passive Kühlung. Anstatt Außenfassaden konsequent zu versiegeln, bauen wir konstruktiv mit verlängerten Dachüberständen, die Schutz vor Witterung bieten.
Auch die Art des Bauens ist entscheidend: Unsere Konzepte sind nach Möglichkeit modular und sollen mit lokalen Handwerkstechniken umgesetzt werden. Das gilt vor allem in unserer ländlichen Projektregion, in der die eingeschränkte Verfügbarkeit von speziellen Maschinen, Werkzeugen und Materialien stets eine Herausforderung ist.
Wirtschaftlich nachhaltig
Nachhaltigkeit beginnt aus dieser Perspektive schon vor dem ersten Spatenstich. Braucht es wirklich ein großes Haus mit mehreren Etagen? Gibt es eine kostengünstigere Alternative mit denselben Vorteilen? In Ghana steigen die Baukosten rasant – nachhaltiges Bauen bedeutet hier auch, mit wenig Ressourcen möglichst viel zu erreichen. Deshalb entwickeln wir Baukonzepte, die erschwinglich und effizient sind.
Ein Beispiel dafür sind unsere nachhaltigen Mauerziegel. Teure (nachhaltige) Baumaterialien gibt es bereits genug – diese sind für den durchschnittlichen Ghanaer mit eher schmalem Geldbeutel aber nicht erschwinglich. Unsere Baustoffe sind so konzipiert, dass sie lokal produziert und verarbeitet werden können. So bleibt die Wertschöpfung in der Region und schafft langfristige Perspektiven. Zeitgleich sinken die Kosten.
Sozial nachhaltig
Ein Gebäude ist nur dann wirklich nachhaltig, wenn es den Menschen nutzt. Wir hinterfragen moderne, konventionelle Bauweisen kritisch und suchen nach Lösungen, die sowohl funktional als auch kulturell passend sind. Das betrifft nicht nur die Gebäudegröße, sondern auch das Raumklima und die Bauweise. Große Glasflächen oder abstrakte Raumaufteilungen mögen modern aussehen, sind im tropischen Klima aber oft ungeeignet. Stattdessen setzen wir auf natürliche Belüftung und Wärmeregulierung. Dabei greifen wir auch auf bewährte Konzepte aus über 300 Jahren ghanaischer Baukultur zurück.
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Laterit: Laterit ist ein weit verbreiteter Boden in tropischen Regionen, dessen rote Farbe durch enthaltene Eisenoxide entsteht. Die hohe Festigkeit von Laterit resultiert unter anderem aus seiner vollständigen Verwitterung, wodurch er keine organischen Bestandteile mehr enthält und besonders stabil ist. Unsere nachhaltigen Mauerziegel bestehen aus Laterit, da dieser Rohstoff in Ghana reichlich vorhanden ist und eine ressourcenschonende Alternative zu herkömmlichem Beton und anderen Zementbaustoffen bietet. ↩︎
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Beton: Beton ist ein stabiler, langlebiger Baustoff, verursacht durch den hohen Zementanteil jedoch erhebliche CO2-Emissionen. Allein durch eine 15x15 Meter große Bodenplatte können bis zu 30 Tonnen CO2 freigesetzt werden. Deshalb setzen wir Beton nur dort ein, wo er aus technischer Sicht notwendig ist, und suchen stets nach nachhaltigeren Lösungen. ↩︎
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Verbundwerkstoff: Ein Verbundwerkstoff kombiniert verschiedene Materialien zu einem fest verbundenen Werkstoff, um ihre jeweiligen Vorteile zu nutzen. Einige Verbundwerkstoffe sind am Ende ihrer Lebensdauer jedoch schwer zu trennen und werden in Ghana verbrannt. Dies gilt vor allem, wenn sie Kunststoffe enthalten. Wir vermeiden solche Materialien, wenn möglich. In manchen Fällen können sie jedoch andere nachhaltige Baustoffe ergänzen – etwa, indem sie aufsteigende Feuchtigkeit verhindern. ↩︎
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Konstruktive Methoden: Durch intelligente konstruktive Lösungen lassen sich unerwünschte Faktoren wie Hitze, Feuchtigkeit oder mangelnde Luftzirkulation von vornherein vermeiden. Beispiele sind Dachüberstände, die Fassaden vor Witterung schützen und für natürliche Verschattung sorgen, sowie spezielle Wandaufbauten, die eine bessere Temperaturregulierung ermöglichen. So kann der Bedarf an energieintensiver Klimatisierung deutlich reduziert werden. ↩︎